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Der "Gang" zur sagenumwobenen Engelsburg

(von Hubertus Ackermann, 03.01.21)

Vorwort

In dieser Schilderung habe ich versucht, alle Überlieferungen und Fakten zur Engelsburg Laubach zusammenzutragen und diese mit einer kleinen Wanderung zu verbinden. Man erfährt auf dieser Wanderroute neben dem Hauptziel Engelsburg auch etwas zu anderen Geschichtsthemen wie: Luckner-Eiche, Windmühle, Signaltürme, Wüstung Engelhausen.

Gang-/Wegbeschreibung mit Erläuterungen zu anderen Geschichtsthemen über: Die Wander-App Komoot

Die Engelsburg

die im Volksmund bekannt als „Pestburg“ (Engelsburg Abb. 1) bei Laubach, liegt oberhalb des Ramsberges (337m über NN), auf Höhe des Tiergärtnerteiches, in Richtung Weickartshain. Nur Ortskundige werden den „Fluchtgang/-weg“ der Grafenfamilie zur „Pestburg“ finden. Wer dort eine große Burganlage mit Mauerresten erwartet, wird enttäuscht sein. Leider findet man nur noch einen bastionierten, quadratischen Erdwall mit einem tiefen Graben, der auf südlicher Seite teils ausgefüllt ist, da dort vermutlich die Eingangspforte war. Das innerhalb des Walles gelegene Gebäude war eine Art Kemenate, dessen Erdgeschoss aus Basaltsteinen gemauert und die beiden darüber liegenden Geschosse in Fachwerkkonstruktion gebaut wurden (s. Abb. 2). Das Gebäude war von einem drei Meter breiten Zwinger umgeben, der innerhalb des Grabens durch einen Erde-Stein-Wall begrenzt war. Die Grundmauern der Anlage wurden bei zwei Ausgrabungen im November 1893 und im September 1895 freigelegt, sind aber heute wieder vererdet. 1993 versuchte Geobiologe Dr. Horst Frithjov Preiss anhand des Muten mit der Wünschelrute mehr über die Burg und des umwobenen Fluchtganges zu erfahren. Dabei wurde u.a. auch Reste des zweiten Signalturms geortet.

Abb.1, Engelsburg um 1610 nach einem Gemälde

Abb.2, Retusche/Nachbildung der Kemenate (Burg)

Geschichtliche Daten

  • 1193 schenkten die Adligen Ritter Friedrich und Albert von Queckborn bei Grünberg dem Kloster Hardehausen ihr „Allod“ (Eigentum) in Engelhausen.
  • 1239 wird die Engelsburg erstmals in einer Urkunde erwähnt, in der Ulrich I von Münzenberg dem Gunthram, Graf von Schweinsberg (Stadtallendorf), ein Hofgut bei „Engilnhusen“ (Engelhausen) verschreibt.
  • 1244 schenkte Landgraf Heinrich dem Kloster Arnsburg Eisengruben (foveas ferri) zu Engelhausen.  1314 wird Werner von Engelhausen als Lehnsmann in der Grünberger Stadtchronik genannt.
  • 1323 wird ein Ritter Wenzel von Engelhausen als Burgmanne in Grünberg erwähnt.
  • 1341 kaufen die Herren v. Falkenstein, von Ulrich v. Hanau, das zum Laubacher Gericht gehörige Dorf Engelhausen.
  • 1349 hat der Ritter Konrad von Altheim einen Hof und Wald bei Engelhausen -als Falkensteiner Lehen- gepachtet.  1406 wird Oswald v. Engelhausen als Lehnsmann von Philipp v. Falkenstein genannt.
  • 1416 werden noch Ritter aus Engelhausen als Burgmannen in Grünberg erwähnt.
  • 1418 vererbte Werner III von Falkenstein (Erzbischof von Trier) u.a. Dorf und Burg an die Solmser Grafen.
  • 1432 im Zuge des solmsischen Teilungsvertrages kommt Engelhausen als „Zubehör“ von Laubach an Graf Johann zu Solms. Im Jahr 1475 bekam Laubach die Erlaubnis von Kaiser Friedrich III die Stadt zur Residenz und Befestigung weiter auszubauen.

 

Der Zustand der Engelsburg war in dieser Zeit vermutlich durch Belagerungen und Kriege schon stark beschädigt. Der Burghof selber wurde um 1540 vermutlich wieder aufgebaut. Das Dorf Engelhausen (Engilnhusen) in der Nähe der Engelsburg gelegen, wurde im Erbbuch von 1551 als dazu gehörig zum Laubacher Amt genannt. 1559 wird in einer Urkunde die Ordnung von Heu- und Holzfahrten u.a. nach Engelhausen beschrieben.

Später wird Engelhausen nochmals in Verbindung mit Wüstungen in einer der Urkunden zu Baumkirchen genannt. Die damaligen Bewohner siedelten wohl zu ihrem Schutz in das nahe Laubach. Heute findet man an der Wüstung noch den Burgwall, alte Steinreste der Gebäude, den versumpften Dorfteich und Reste eines Ziehbrunnens.

Im Volksmund spricht man in Laubach mehr von der „Pestburg“ statt von der Engelsburg oder „Hausplatz“(Flurname). Das ist vor allem auf die Ereignisse des frühen 17. Jahrhunderts zurückzuführen, da auch in Laubach die Pest wütete.

In den Jahren 1606 und 1613 flüchtete die gräfliche Familie mit Gesinde mehrmals vor der Pest zum „Hausplatz“ Thiergarten. Bis 1636 starben in Laubach 449 Bürger an der Pest (1/3 der Bewohner).

1644 wird die Burg nochmals in der Wetterfelder Kirchenchronik erwähnt, dass zu Beginn des Dreißigjährigen Krieg um 1620, Soldaten des Rittmeisters von Engelshausen 20 Hammel gestohlen hätten.

Abb. 3, Holzschnitz mit Windmühle, Signaltürme und Engelsburg von Mattäus Merian (lt. W. Becher, Laubacher Buchdruckermeister)

Später wurde die Engelsburg durch den Solmser Grafen als Jagdhaus für den Bezirk „Thiergarten“ (Jagdrevier) genutzt. Es gab in den nächsten Jahrzehnten neben diesem Jagdbesitz noch drei weitere Jagdschlösschen/Jagdhäuser: Das „Sorgenlos“ (Sanssouci) im Wettergrund, „Eichgarten“ (Bellevue) am Eichberg und „Fürstengarten“ am Tannenberg in Gonterskirchen.

Um das Jahr 1750 muss die Kemenate/ Jagdhaus (Engelsburg) abgebrochen und das Gelände bepflanzt worden sein. Alte Balken sollen in Laubach am Haus (ehem.) Palitsch untere Planke verbaut worden sein.

Angeblich gab es auch einen Tunnelgang vom Laubacher Schloss zur Engelsburg, den die Grafen während der Pest genutzt haben sollen. Wissenschaftliche, geobiologische Untersuchungen, auch mit Wünschelrute durch Dr. Horst Frithjov Preiss und Bernhard Momberger konnten den Tunnelgang jedoch nicht konkret lokalisieren. Ob es sich bei den gefundenen Erdeinbrüchen unterhalb des Ramsberges, „Im Roten Stahl“ und im Schlossbereich ebenfalls um den besagten Fluchtgang oder (lt. B. Momberger) um Stollen aus der Keltenzeit handelte, konnte nicht eindeutig belegt werden. Auch in Laubach selber gab es viele Tunnelgänge zum Schloss hin. So kann man im Keller der Seligmacherei und im Keller Litfass noch zugemauerte Gänge Richtung Schloss finden. Auch unter dem Marktplatz gibt es solche Verbindungsstollen. Vielleicht ist der Tunnelgang zur “Pestburg“ aber auch nur eine Inspiration von dem 1277 erbauten -Passetto di Borgo- ein ca. 800 Meter langer, mittelalterlicher Fluchtgang, der vom Vatikan zur Engelsburg in Rom führt.

Für Laubacher und Wanderer bleibt es wohl weiterhin eine reizvolle Legende.

Sowie auch Sagen zu Engelhausen von Justus Treumund: „Die weiße Frau“ oder das „Das Vogelbärbchen“, welches schon als Opern- und Theaterstück in Kloster Arnsburg und Laubach aufgeführt wurden.

Abb. 4, Lageplan Engelsburg: Dr. Horst Frithjov Preiss (gemutet 1993)

Quellen: 

1. Karl-Heinz Hartmann, („Der Grenzgänger“ und Stadtchronik Grünberg)
2. Graf Friedrich zu Solms (Wetterfelder Kirchenchronik 1882)
3. Trautel Wellenkötter (Buch: Stadt und Schloss Laubach)
4. Georg Becker (Aufzeichnungen von 1952)
5. Georg Wilhelm Wagner (Wüstungen im Herzogtum Hessen, S.118-121)
6. Online, Historischer Ortslexikon (Datensatz Nr. 53101004002)
7. Helmut Nachtigall (Die Fachwerkhäuser Alt-Laubach 1975)
8. Kurt Stein (Privatarchiv)
9. Stadtarchiv Laubach (Urkundenband)
10. Eduard Becher (Aufzeichnungen Windmühle)
11. Bernard Momberger (mündliche Überlieferungen)
12. Dr. Horst Frithjov Preiss u. Luise Schmier (Buch: Mit Wünschelrute in die Vergangenheit)
13. Helge Braunroth (Büchlein: Sagen um Laubach u.a. „Das Vogelbärbchen“)