Den Landkreis Gießen verbindet seit dem Jahr 2023 eine Solidaritätspartnerschaft mit der Region Tschernihiw in der Ukraine – ein Land, das seit über vier Jahren unter dem russischen Angriffskrieg leidet. Nun hat eine Delegation aus der ukrainischen Partnerkommune den Landkreis Gießen im Rahmen einer Partnerschaftskonferenz besucht. Emotionaler Höhepunkt war die Vorführung eines selbst gedrehten Videos namens „Partnerschaft, die wirkt“, welches zeigt, wo genau die humanitäre Hilfe der letzten drei Jahre aus dem Landkreis Gießen in der Region Tschernihiw ankommt: Von Feuerwehrautos und Rettungswagen über Bagger zum Wiederaufbau bis hin zu Notstrompaketen für den nächsten Winter.
In ihrem Film beschreibt Tetiana Kuznetsova-Molodchaya, Vorsitzende des Bezirksrats und damit in ihrer Position vergleichbar zu einer Landrätin, die Beziehung zum Landkreis Gießen wie folgt: „Von einem geschäftlichen Händedruck zu herzlichen Umarmungen mit Tränen in den Augen. Auf Ebene der Ukraine gibt es vielleicht rund zehn solcher positiven Beispiele für Partnerschaften zwischen Landkreisen. Wir gehören damit zu den Vorreitern dieser Zusammenarbeit.“
Deutsch-Ukrainische Kommunale Partnerschaftskonferenz
Die Bezirksratsvorsitzende reiste mit ihrer Delegation zunächst nach Berlin, wo sie gemeinsam mit Ronja Grimmer, Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik, und Udo Liebich, Büroleiter der Landrätin, an der Deutsch-Ukrainischen Kommunalen Partnerschaftskonferenz teilgenommen hat. Im Fokus standen hierbei Fachimpulse über Erfolge, Herausforderungen und Praxisbeispiele in der Zusammenarbeit, zu Unterstützungsbedarfen und kommunaler Widerstandsfähigkeit. Während ihres Aufenthalts in der Hauptstadt konnten die ukrainischen Gäste zudem eine Führung im Deutschen Bundestag und eine Plenarsitzung miterleben.
Landrätin und Kreistagsvorsitzender bekunden Solidarität
Im Landkreis Gießen angekommen wurde die Delegation aus Tschernihiw von Landrätin Anita Schneider und Kreistagsvorsitzenden Claus Spandau willkommen geheißen. „Als wir die Solidaritätspartnerschaft eingegangen sind, war es uns wichtig, dass diese Partnerschaft nicht nur auf dem Papier besteht, sondern auch nachhaltig gelebt wird“, betonte Landrätin Schneider. „Wie in Ihrem Video zu sehen ist, fällt die Unterstützung aus dem Landkreis Gießen in der Region Tschernihiw auf fruchtbaren Boden. Eben eine Partnerschaft, die wirkt, wie Sie es so schön beschrieben haben. Damit möchten wir den Menschen in der Ukraine Hoffnung geben und sie im Kampf um das tägliche Überleben stärken.“
Angesichts des andauernden Angriffskriegs rief auch Kreistagsvorsitzender Spandau zur Solidarität auf: „Im Namen der 81 Mitglieder des Kreistags begrüße ich Sie ganz herzlich. Zur gemeinsamen Stärkung eines sicheren und freien Europas steht unser demokratisch gewählter Kreistag ganz überwiegend an der Seite der Ukraine. Nach unserem Kennenlernen während Ihrer Delegationsreise vor zwei Jahren hat sich eine wunderbare Zusammenarbeit und Freundschaft zwischen dem Landkreis Gießen und der Region Tschernihiw entwickelt. Für das große Engagement möchte ich mich auch bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kreisverwaltung bedanken.“
Delegationsreise bietet viele Möglichkeiten zum Austausch
Für den diesjährigen Delegationsbesuch war das weitere Programm vielfältig: Ein Treffen mit Ausländerbeiräten der Region und ukrainischen Vereinen auf dem Grünberger Gallusmarkt, ein Austausch mit dem DRK-Kreisverband Marburg-Gießen zum Thema Ausbildung und Ehrenamt, Veranstaltungen mit dem Team der Kindertagesbetreuung und der Volkshochschule des Landkreises Gießen sowie die Besichtigung einer Biogasanlage des landwirtschaftlichen Betriebs Geissler in Fronhausen und der Gross GmbH in Wettenberg, wo Geschäftsführer Michael Gross zwei Dieselgeneratoren gespendet hat.
Geförderte Transportbusse begleiten Delegation nach Hause
Außerdem hatte sich der Landkreis Gießen um Fördermittel über das Projekt „Sachgüter für kommunale Dienstleistungen“ von Engagement Global mit der Servicestelle „Kommunen in der Einen Welt“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung beworben. So konnten neben den bereits übergebenen fünf Tanklöschfahrzeugen und fünf Baggerladern nun auch zwei Transportbusse zu 95 Prozent über Fördergelder finanziert werden. Die beiden neuen Transportbusse wurden behindertengerecht umgebaut und mit gespendeter Ausrüstung von der Feuerwehr Rabenau beladen. Nach der Verabschiedung hat die ukrainische Delegation in den zwei neuen Bussen ihre Heimfahrt nach Tschernihiw angetreten.
Ihren Film haben sie als Gastgeschenk dem Landkreis Gießen überlassen – zu finden unter youtube.com/@landkreisgiessen.
Bildunterschrift: Empfang für die ukrainische Partnerkommune auf dem Gelände der Kreisvolkshochschule (v. l.): Ronja Grimmer, Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik, Lesya Maltseva, Leiterin der Angelegenheiten des Bezirksrats, Ivan Smyrnov, stellvertretender Vorsitzender des Gemeinderats von Hontschariwske und Abgeordneter des Bezirksrats, Landrätin Anita Schneider, Tetiana Kuznetsova-Molodchaya, Vorsitzende des Bezirksrats, Kreistagsvorsitzender Claus Spandau, Christian Englisch, Mitarbeiter Kreisvolkshochschule, Volodymyr Pavlenko, Vorsitzender des Gemeinderats von Beresna, Übersetzerin Olha Boyarchuk, Udo Liebich, Büroleiter der Landrätin, Übersetzer Dmytro Tsykura, Torsten Denker, Leiter Kreisvolkshochschule, und Auszubildende Luna Nova Schneeweis. (Foto: Landkreis Gießen)
